Buchpremiere des Romans "Erinnerungsfunken - wider das Vergessen" von Ulrike Kleinert. Lesung von der Autorin und der Schauspielerin Ulrike Knospe. Musikalische Begleitung von Aladdin Haddad.
"Erinnerungsfunken - Wider das Vergessen" von Ulrike Kleinert. Buchpremiere vom 11.02.2026 - Heinrich Böll-Stiftung Bremen
Lesung vom 11.02.2026 im Bürgerhaus Weserterrassen
Malaika und ihr 13-jähriger Sohn Merlin landeten in einem Viertel am Rande der Stadt, dem Heinrich-Paul-Platz. Als sie dort hinzogen, wussten sie nicht, dass die Siedlung einst eine „Familienfürsorgeanstalt“ der Nationalsozialisten für sogenannte Asoziale gewesen war – ein grausames Lager, in dem von 1936 bis 1940 unter strenger Bewachung die „Umerziehung der Familie“ hatte stattfinden sollen.
Schon am ersten Tag spürte Malaika, dass sie beobachtet wurde. Auch andere Merkwürdigkeiten fielen ihr auf: Die Treppen waren aus Beton und die Zimmertüren aus Metall. Doch sie versuchte, all das als unwichtig abzutun und mit ihrem neuen Leben zurechtzukommen.
Am Platz lebte eine verschworene Gemeinschaft, die Fremden gegenüber misstrauisch war. Wenn jemand neu dorthin kam und sich nicht anpasste, sorgten die dominanten Platzbewohner:innen dafür, dass er oder sie schnell wieder verschwand. Es war, als ließen sie die Kontrolle, unter der sie selbst oder ihre Eltern beziehungsweise Großeltern gelitten hatten, weiterleben. Zugleich schweißte ihr starkes Gemeinschaftsgefühl sie zusammen, gab Halt und verlieh Stärke. Malaika spürte, wie sie sich veränderte, während ihr Sohn gemobbt wurde.
Der Roman von Ulrike Kleinert, der sich auf die lange wenig beachtete nationalsozialistische „Erziehungssiedlung“ am heutigen Warturmer Platz in Woltmershausen bezog, ging den Fragen nach: Was machte die eigene Identität aus? Konnte man die Geschichte des Ortes, an dem man lebte, ignorieren, oder holte sie einen wieder ein? Das Buch war im Kellner Verlag erschienen.
Es lasen die Autorin sowie (am 11.2.) die Schauspielerin Franziska Mencz, musikalisch begleitet von Aladdin Haddad.
Die Lesung fand in Kooperation mit dem Bremer Literaturhaus (Bremer Buchpremiere) und dem Verein „Erinnern für die Zukunft“ statt. Die Veranstaltung war Teil des diesjährigen Bremer Programms zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.