Der Internationale Frauentag in Bremen: Gemeinsam stark für Gleichberechtigung

Am 8. März erheben sich die Stimmen von FLINTA* weltweit – doch in Bremen geht es weit über einen Tag hinaus. Hier wird Feminismus gelebt: von lebendigen Kulturveranstaltungen bis hin zu engagierten Initiativen, die für Gleichberechtigung kämpfen. Entdecke, wie Bremen gemeinsam stark für eine gerechtere Zukunft steht!

Demo banner einer Demonstration zum 8. März. „8. März ist Frauen Kampftag“

Der 8. März ist ein bedeutender Tag im Kalender, an dem Frauen und andere marginalisierte Geschlechtergruppen wie Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen, ihre Stimmen erheben. Diese Gruppen werden auch oft als FLINTA* bezeichnet. Der 8. März ist ein feministischer Kampftag, der auf die Kämpfe für Geschlechtergerechtigkeit und gegen patriarchale Strukturen aufmerksam macht.


Was 1910 auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen begann, hat sich zu einem globalen Symbol des feministischen Widerstands entwickelt. Doch der Frauentag erinnert uns auch daran: Der Kampf für echte Gleichstellung ist noch lange nicht vorbei.
In Bremen, einer Stadt mit einer lebendigen Tradition sozialer Bewegungen, wird dieser Tag genutzt, um feministische Errungenschaften zu feiern und gleichzeitig den Blick auf bestehende Herausforderungen zu richten. Hier finden Demonstrationen, Diskussionsrunden und lokale Initiativen statt, die zeigen, dass Feminismus in Bremen nicht nur ein Schlagwort ist, sondern aktiv gelebt wird. Diese Veranstaltungen bieten eine Plattform, um über aktuelle Themen zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungen für bestehende Ungleichheiten zu suchen.

Wieso brauchen wir heute Feminismus?

Die erstarkende autoritäre Rechte propagiert zunehmend ein rückwärtsgewandtes Geschlechterbild, das Frauen- und queere Rechte einschränkt. Forschungen zeigen, dass diese Bewegungen oft eine „Krise der Männlichkeit“ ausrufen, um traditionelle Geschlechterrollen zu stärken. Dies dient nicht nur der Mobilisierung von Emotionen wie Angst, sondern auch der Legitimation von Ausgrenzungspolitiken gegen Frauen und marginalisierte Gruppen.


Diese Tendenzen sind auch in Europa zu beobachten: In Ländern wie Polen und Ungarn wurden unter rechtspopulistischen Regierungen Gesetze verabschiedet, die den Zugang zu Abtreibung und LGBTQ+-Rechten massiv einschränken. Solche Entwicklungen haben das Potenzial, auch in Deutschland Einfluss zu nehmen – ein Rückschritt für die Gleichstellung.


Der Frauenanteil im Deutschen Bundestag ist nach der Wahl 2025 auf 32,4 % gesunken – ein Rückschritt im Vergleich zu den 35,7 % der vorherigen Legislaturperiode. Besonders Parteien wie die AfD (11,8 %) und die CDU/CSU (23,1 %) tragen zu dieser Entwicklung bei . Dieser Trend hat auch Auswirkungen auf Bundesländer wie Bremen, da die politische Repräsentation von Frauen auf Bundesebene wichtige Impulse für Gleichstellung in den Ländern geben kann. Ein geringerer Frauenanteil schwächt die Vielfalt und Gleichberechtigung in politischen Entscheidungsprozessen.

Bremen im Fokus: Wo stehen wir eigentlich heute?


Obwohl in den letzten Jahrzehnten vieles erreicht wurde, gibt es auch in Bremen immer noch Baustellen: Frauen in Bremen verdienten im Jahr 2024 durchschnittlich 21,96 Euro pro Stunde, während Männer 26,56 Euro erhielten. Das entspricht einem Gender Pay Gap von 17 % – eine Verbesserung gegenüber 2023 (19 %), aber immer noch ein deutliches Zeichen für Ungleichheit.


Auch in der Politik gibt es Fortschritte: Nach der Wahl 2023 beträgt der Frauenanteil in der Bremischen Bürgerschaft 37,9 % (33 von 87 Abgeordneten). Damit liegt Bremen im Vergleich der Landesparlamente auf Platz zwei nach Hamburg.
Doch in Führungspositionen bleibt Bremen Schlusslicht: Nur 19,3 % der Führungspositionen in der Privatwirtschaft sind von Frauen besetzt (Bundesdurchschnitt: 23,9 %). Positiv hervorzuheben ist jedoch der Frauenanteil in öffentlichen Unternehmen mit Bremer Beteiligung, der auf 32 % gestiegen ist.

Feminismus in Bremen: Intersektionalität als Schlüssel

Wir setzen auf einen intersektionalen Ansatz, der Geschlechtergerechtigkeit nie isoliert betrachtet. Denn Diskriminierung hat viele Gesichter: Rassismus, Klassismus oder auch Umweltungerechtigkeit beeinflussen die Lebensrealitäten vieler FLINTA*. Gerade in einer vielfältigen Stadt wie Bremen ist es wichtig, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen und gezielt anzugehen. Wir versuchen durch unsere Arbeit und Veranstaltungen auch gezielt marginalisierte Gruppen zu unterstützen.

In Bremen und Bremerhaven sind anlässlich des Internationalen Frauentags rund 100 Veranstaltungen geplant, die von kulturellen Angeboten bis hin zu Themen wie Antifeminismus und Rechtspopulismus reichen. Die zentrale Veranstaltung in Bremen am 7. März ehrt die “Bremerin des Jahres 2025” unter dem Motto “Frauen gegen Rechtsextremismus”. Informationen über alle Veranstaltungen.

Bremen bietet eine lebendige feministische Kulturszene. Das 13° Festival  ist ein Highlight, das Konzerte, Theater und mehr präsentiert. Es findet im Kulturzentrum Schlachthof statt und bringt FLINTA* auf die Bühne. Das Programm umfasst Live-Musik, Ausstellungen, Theater, Workshops und Kino – alles aus einer feministischen Perspektive. Mehr Informationen findest du auf der Website des 13° Festivals.

Zusätzlich gibt es in Bremen die Feministische Buchwoche, die vom 3. bis 11. Mai 2025 stattfindet. Diese Veranstaltung fördert das Lesen von Büchern von Frauen und betont die Bedeutung von Frauenbuchläden und -verlagen. Sie bietet Lesungen, Podiumsdiskussionen und Vorträge zu Feminismus und Diversität in der Literaturbranche. Mehr über die Veranstaltungen und wie du teilnehmen kannst, erfährst du auf der Website der BücherFrauen.

Feministische Bildung vor Ort: Werde Teil des Queer Feminist Lit Space

Die Heinrich-Böll-Stiftung Bremen bietet beispielsweise wieder einen spannenden feministischen Lesekreis an: den Queer Feminist Lit Space. Dieser Lesekreis ist der perfekte Ort, um mehr über Queer-Feminismus zu lernen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Er richtet sich besonders an Einsteiger*innen, die neugierig sind und sich in einem sicheren und inklusiven Umfeld weiterbilden möchten.

Im vergangenen Jahr war die Veranstaltung ein echter Erfolg. Unter der Leitung von Gidde Boomgaarden (they/them), einer queerfeministischen Künstler*in und politischen Kultur- und Sozialarbeiter*in, sowie Britta Grossert (sie/ihr) von der Heinrich-Böll-Stiftung Bremen wurden spannende Diskussionen geführt. Die Teilnehmer*innen beschäftigten sich mit Fragen wie: Was bedeutet eigentlich Queer-Feminismus? und diskutierten anhand von Auszügen aus feministischen Büchern und Comics über Themen wie Gender, Identität und Diskriminierung. Das Format war bewusst niedrigschwellig gestaltet: Es ging nicht darum, Fachbegriffe wie „Queer Theory“ oder „Intersektionalität“ bereits zu kennen, sondern gemeinsam neue Perspektiven zu entdecken.

Gute Nachrichten: Der Lesekreis geht in die nächste Runde! Mehr Informationen zur Anmeldung findest du hier: Anmeldung Queer Feminist Lit Space 2025 

Weitere feministische Initiativen in Bremen

In Bremen gibt es auch andere wichtige feministische Initiativen. Der Feministische Streik Bremen setzt sich mit queerfeministischen Themen auseinander und organisiert jährlich Aktionen rund um den 8. März, den internationalen feministischen Kampftag. Die Initiative arbeitet antikapitalistisch und intersektional und bietet FLINTA*-Personen einen offenen Raum für politisches Engagement. Neben Streiks und Veranstaltungen unterstützt eine eigene Supportgruppe beispielsweise durch Kinderbetreuung und Logistik. Mehr Informationen findest du hier

Zusätzlich bietet die Universität Bremen das Informatica Feminale, ein internationales Sommerstudium für Frauen* in der Informatik (20. August bis 4. September 2025). Details findest du hier

Feminismus findet längst nicht mehr nur auf der Straße statt – auch online wird gekämpft! Bewegungen wie #MeToo haben gezeigt, wie mächtig digitale Plattformen sein können.

Der Internationale Frauentag erinnert uns daran: Der Kampf für Gleichberechtigung ist noch nicht vorbei – weder weltweit noch in Bremen.

Also mach mit! Ob bei einer Veranstaltung am 8. März oder durch dein persönliches Engagement – jede Stimme zählt im Einsatz für eine gerechtere Gesellschaft!