Diskussion mit Jakob Springfeld, Anna Lux, Jonas Brückner und Vanessa Beyer, darüber wie ostdeutsche Lebenswelten in medialen Darstellungen, politischen Debatten und kulturellen und literarischen Erzählungen konstruiert werden.
Grau, kalt und rechts - wie reden wir über „Ostdeutschland“? - Heinrich Böll-Stiftung Bremen
Was ist „Ostdeutschland“ - ein Raum, der meist als grau, kalt und politisch rechts wahrgenommen wird? Wir haben diskutiert, wie ostdeutsche Lebenswelten in medialen Darstellungen, politischen Debatten und kulturellen und literarischen Erzählungen konstruiert werden zwischen Selbstbeschreibung und Fremdzuschreibung, zwischen Erinnerung und Gegenwart.
Gemeinsam mit unseren Gäst*innen haben wir Perspektiven aus Forschung und Praxis besprochen, die „den Osten“ nicht als monolithischen Ort begreifen, sondern Vielfalt und Widersprüche sichtbar machen. Anhand von Beispielen aus Popkultur, Literatur und Alltag haben wir Prozesse von Zugehörigkeit, Ausgrenzung und Identitätsbildung nachgezeichnet.
Jakob Springfeld, geboren 2002 in Zwickau, beschreibt in seinen Büchern „Unter Nazis. Jung, ostdeutsch, gegen Rechts“ und „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert. Warum das Erstarken der Rechten eine Bedrohung für uns alle ist“, inwiefern im Osten der Boden für die Instrumentalisierung von Existenzängsten besonders fruchtbar ist. Aber struktureller Rassismus und Rechtsextremismus sind gesamtdeutsche Probleme, aus denen eine gesamtdeutsche Bedrohung hervorgeht, in Halle wie in Hanau.
Anna Lux, Jahrgang 1978, ist Historikerin in Freiburg/Br. und Leipzig. Ein Schwerpunkt ihrer Forschungen ist DDR- und Transformationsgeschichte sowie populäre Geschichtskultur. Seit 2018 ist sie Teil des BMBF-Verbundprojekts „Das umstrittene Erbe von 1989" und arbeitet dort zu Deutungen des Umbruchs in Romanen, Spielfilmen, Musik. Zuletzt veröffentlichte sie mit Jonas Brückner das Buch „Neon/Grau. 1989 und ostdeutsche Erfahrungsräume im Pop“.
Jonas Brückner (geb. 1989) arbeitet als Kulturwissenschaftler in Leipzig. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in Bereichen der Geschlechtergeschichte und Männlichkeitsforschung sowie in (postsozialistischen) Erinnerungskulturen.
Vanessa Beyer (geb. 1997 in Leipzig) ist Co-Founderin von (K)Einheit, einer Initiative, die junge ostdeutsche Perspektiven erzählt. Als Politikberaterin lebt sie heute in Chemnitz.
Die Moderation übernahm Klaas Anders vom Graduiertenkolleg „contradiction studies“ der Universität Bremen.