Im Hafenmuseum Bremen diskutierten Andrea Mühlebach und Michael Flitner über die Rechte der Natur und mögliche Folgen für den Umgang mit der Weser.
Die Diskussion über Rechte der Natur – also das Zugestehen von eigenständigen Rechten etwa an Gewässer - wird weltweit geführt. Wir haben das Thema nach Bremen geholt: Im Rahmen der Ausstellung „Wir sind der Fluss. Was uns mit der Weser verbindet“ im Hafenmuseum erklärte Andrea Mühlebach, welche philosophischen und juristischen Überlegungen hinter der Naturrechtsbewegung stehen - die in einigen Ländern bereits Gesetze mit Verfassungsrang durchgesetzt hat. Andrea Mühlebach ist Professorin für Maritime Anthropologie und Kulturen des Wassers am Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft der Universität Bremen.
Was würde es konkret für die Weser bedeuten, wenn wir ihr Rechte zugestehen? Wer sollte diese Rechte für sie wahrnehmen, was könnten die Folgen sein? Und wie verändert sich unser Verhältnis zum Fluss, wenn wir Naturschutz nicht nur als Notwendigkeit für unsere eigene Lebensqualität definieren, sondern als einklagbaren Anspruch an uns oder sogar gegen uns selbst? In dieses Gespräch stieg nach Mühlebachs Input ihr Kollege Michael Flitner von der Uni Bremen ein. Flitner ist Professor für Geographie, Sprecher des artec-Forschungszentrums Nachhaltigkeit und Mitbegründer des Bremer NatureCulture Lab.
Gemeinsam haben wir diskutiert, wie sich beispielsweise die Debatten um Flussvertiefung und Weserversalzung bei einer neuen Rechtssetzung entwickeln können. Es ging aber auch um unser individuelles Verhältnis zum Fluss gehen, der uns nährt (falls wir angeln), uns wärmt (sofern wir im Kelloggs-Quartier wohnen), uns perspektivisch wieder mit Trinkwasser versorgt - und der uns alle existentiell bedroht, je mehr wir die Weser zum Trichterfortsatz der Nordsee ausbauen. Was also wären die Folgen, wenn dieses machtvolle Gewässer aus seiner juristischen Ohnmacht befreit würde?
Zunächst aber wurde die Weser besungen: Gleich zu Beginn der Veranstaltung trat der Schwankcore der Schwankhalle mit zwei Kompositionen aus dem Programm Songs of Rising and Sinking auf.
Der Schwankcore wurde 2022 als hauseigener Chor der Schwankhalle von der künstlerischen Co Leitung Katrin Hylla zusammen mit der Komponistin Mara Hebel gegründet und hat ca 80 Sänger*innen zwischen 20 und 81 Jahren, die sich regelmäßig an Dienstagabenden zum Singen treffen. Seit 2025 leitet Joan Augustin den Chor. Eine Kooperation des Hafenmuseums Bremen mit der Heinrich Böll-Stiftung Bremen und der Schwankhalle.
Den gesamten Mitschnitt der Veranstaltung:
Was uns mit der Weser verbindet – und was wäre, wenn sie Rechte hätte - Heinrich Böll-Stiftung Bremen