Ein „Mudder-Cordes-Platz“ für Bremen

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Die Heinrich Böll-Stiftung Bremen schlägt die Schaffung eines „Mudder-Cordes-Platzes“  bzw. „Metta-Cordes-Platzes“ in der Innenstadt vor, mit dem Ziel Frauen bei Straßen- und Platznamen stärker zu berücksichtigen und  die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu steigern.  

Schwarz Weiß Fotografie von Mutter Cordes um 1890 auf einer Kutsche sitzend.

Die Heinrich Böll-Stiftung Bremen schlägt die Schaffung eines „Mudder-Cordes-Platzes“ bzw. „Metta-Cordes-Platzes“ in der Innenstadt vor. Gedacht ist an eine Fläche im Winkel zwischen Knochenhauer- und Carl-Ronning-Straße, die bislang unbenannt ist. Mit diesem Vorschlag verfolgt die Stiftung zwei Ziele: Zum einen geht es um die stärkere Berücksichtigung von Frauen bei Straßen- und Platznamen, zum anderen um die Steigerung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt.  

Metta Cordes (1815 – 1905) galt als Bremer Stadtoriginal: Sie beeindruckte ihre Mitmenschen durch den zähen Willen, sich trotz widrigster ökonomischer Umstände nicht unterkriegen zu lassen. Als verwitwete Frau mit fünf Kindern musste sich „Mudder Cordes“ den Lebensunterhalt mühsam sichern, in dem sie Gemüse und Obst auf der Straße feilbot. Zum „Stadtoriginal“ avancierte sie, nachdem ein Arbeiter ihr einen Hund zum Ziehen des Gemüsekarrens geschenkt hatte. Später zog Esel Anton den Karren, ebenfalls ein Geschenk, mit dem sie auch kleine Fuhren anbieten konnte.

Statue von "Mudder Cordes"

Mudder Cordes und ihr Esel stehen bereits am Eingang der Knochenhauerstraße: Die bekannte Bildhauerin Christa Baumgärtel, die auch das nahe gelegene Kaisen-Denkmal am Herdentorsteinweg/Ecke Wallanalagen geschaffen hat, fertigte 1987 einen lebensgroßen Bronzeguss.

Passend zum Gemüsehandel der Metta Cordes gibt es bereits einen - allerdings lediglich 200 Meter langen - Mudder-Cordes-Weg im Gröpelinger Kleingartengebiet „In den Wischen“. Die Benennung auch einer innerstädtischen Fläche nach Metta Cordes wäre angemessen: Nicht „nur“, um die geringe Repräsentanz von Frauen zu erhöhen, sondern auch, um lokalgeschichtlich verankerte Persönlichkeiten aus diversen sozialen Milieus zu würdigen.

Die in Frage stehende Platzfläche ist überschaubar: Sie läge zwischen einer Litfaßsäule und der kürzlich mit versenkbaren Pollern abgesperrten Knochenhauerstraße. Diese ist bereits Fußgängerzone, wird allerdings zu bestimmten Zeiten für den Lieferverkehr genutzt. Daran anschließend gibt es eine zweite Fläche mit hoch gewachsenen Robinien, unter denen sich das Denkmal befindet.

Die konkrete Gestaltung des Platzes, über Baum und Bank hinaus, könnte durch eine offene Ideensammlung entwickelt werden. Denkbar ist unter anderem das temporäre Aufstellen robuster Pflanzkästen, um in der Tradition der Mudder Cordes Urban Gardening anzuregen.  

Die Heinrich Böll-Stiftung ist eine unabhängige, gleichwohl grünennahe Stiftung, die sich im Rahmen ihrer politischen Bildungsarbeit kontinuierlich mit Fragen der Stadt- und Verkehrsentwicklung befasst. Der Vorschlag für den Mudder Cordes-Platz fokussiert beispielhaft eine konkrete Kernfrage der Innenstadt-Entwicklung: Findet die Schaffung eines Platzes mit Aufenthaltsqualität Akzeptanz, auch wenn sie auf Kosten von Kfz-Stellflächen geht? Derzeit sind auf der in Frage kommenden Fläche Fahrradbügel installiert. Deren Verlegung hinter die Litfaßsäule (in Richtung Stadtamt) würde zwei bis drei bisherige Auto-Parkplätze in Anspruch nehmen. 

Die ökonomische Situation rund um den vorgeschlagenen Platz ist akut geprägt durch eine Häufung von Geschäftsaufgaben und -wegzügen. Gefragt sind daher stadtplanerische Ideen und Maßnahmen, die explizit auch die Randbereiche der Innenstadt einbeziehen. Die Aufwertung und Umnutzung selbst kleiner Flächen kann als „Puzzle-Strategie“ dazu beitragen, die Innenstadt als Ganze attraktiver werden zu lassen – sowohl für den Einzelhandel als auch für Anwohnende, Beschäftigte und im Sinne noch zu entwickelnder neuer Nutzungsformen. Hierzu ist behördliche Experimentierfreude ebenso erforderlich wie Eigeninitiative und die Aktivierung der Nachbarschaften. So manche exemplarische stadtplanerische Maßnahme wäre mit recht geringem Aufwand realisierbar.

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