Die HEINRICH BÖLL STIFTUNG veranstaltet regelmäßig Vorträge und Seminare zu unserer Meinung nach aktuellen und interessanten politischen und kulturellen Themen. Wenden Sie sich bitte an unserer Büro, um laufende Planungen zu erfragen oder senden Sie uns eine mail. Gerne informieren wir Sie dann über aktuelle Veranstaltungen. Sollten Sie selber Vorschläge, Anregungen oder Veranstaltungswünsche haben, können Sie uns darüber informieren. Auf unserer Was-Sie-wollen - Seite finden Sie weiter Informationen.



Amerika vor der Wahl

Auf Kosten der Freiheit – Der Ausverkauf der amerikanischen Demokratie und die Folgen für Europa
Lesung/Vortrag mit Josef Braml. Er ist Leiter der Redaktion und geschäftsführender Herausgeber des Jahrbuches der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik
Der amerikanische Traum ist ausgeträumt. Statt Freiheit, Gleichheit und Streben nach Glück: wachsende Ungleichheit. Anstatt dagegen anzukämpfen, betreibt die Regierung Klientelpolitik im Interesse der Wahlkampffinanciers. Aus der Massendemokratie ist längst eine Geldherrschaft geworden. Allein ein Problem Amerikas? Mitnichten, weil auch Europa dadurch viel zu verlieren hat.
Termin: 15. September, 19:00
Ort: Villa Ichon, Goetheplatz 4, Bremen




Kaputtalismus - Wird der Kapitalismus sterben, und wenn ja, würde uns das glücklich machen?
fragt Robert Misik in seinem neuen Buch, das er im Theater Bremer vorstellt. Er ist ständiger Autor der tageszeitung (Berlin), von profil und Falter (Wien) und einer der streitbarsten linken Publizisten seiner Generation. Im Aufbau Verlag erschienen u.a. seine Bücher Anleitung zur Weltverbesserung, Das Kultbuch, Genial dagegen und Marx für Eilige. 1999 erhielt Robert Misik den „Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch“. 2009 wurde er mit dem Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik geehrt, er fasst die derzeitigen Debatten um die Krise des Kapitalismus zusammen und zeigt auf, welche Fragestellungen uns heute beschäftigen müssen. Seine zentrale These ist: Die Krise der Gesellschaftsform, in der wir heute leben, ist so umfassend, dass es nicht genügt, mit Umverteilung gegenzusteuern. Das gesamte System muss neu gedacht werden.
Ausgehend von den Stücken mit denen das Schauspiel des Theaters die Spielzeit eröffnet – Bertolt Brechts Der Gute Mensch von Sezuan und Büchners Dantons Tod – wird es über die Spielzeit hinweg mehrere Veranstaltungen geben, welche sich mit dem System Kapitalismus beschäftigen, es nach Alternativen befragen, radikale und utopische Neuordnungen erforschen.
So 9. Oktober, 11 Uhr im noon / Foyer Kleines Haus.
Eintritt frei!
In Zusammenarbeit mit dem Theater Bremen





Über Wahrheit und Lüge im deutschen Geschichtsfilm

des Landesinstitut für Schulpraxis, Demokratisch Handeln und der Heinrich Böll Bremen
Die im März 1995 in Hamburg eröffnete und von einer Million Menschen besuchte Wehrmachtsausstellung hat die Legende von der „sauberen Wehrmacht“ zwar beendet, aber es dauerte nicht lange, bis an deren Stelle neue Legenden produziert und von den Massenmedien Film und Fernsehen verbreitet wurden. Bernd Eichinger hat mit seinem Kinofilm Der Untergang 2004 den Anfang dieser neuartigen Form von „Geschichtsschreibung“ gemacht: Er zeigt die Machtelite des untergehenden „tausendjährigen Reiches“ – Generäle, SS-Führer und Minister – die jahrelang gemordet oder den Massenmord befohlen haben, ohne dass der Zuschauer etwas von diesem kriminellen Vorleben erfahren. Sie werden in ihren Uniformen und im Schmuck ihrer Orden als unschuldige Geiseln von zwei Verrückten – Hitler und Goebbels – und als realitätstüchtige Verfechter eines bewaffneten Ausbruchs aus dem „Führerbunker“ unter der Reichkanzlei präsentiert. Mit einer ähnlichen Dramaturgie der Aussparung der Fakten und der Zerstörung des historischen Zusammenhangs arbeitet Nico Hofmann in seinem 2013 gezeigten Fernsehdreiteiler Unsere Mütter, unsere Väter: Die fünf Freunde geraten 1941 in einen Krieg, in dem es die Vorgeschichte des Dritten Reiches nicht gibt und der Holocaust hinter der Front mit 3 Millionen Toten wie der Genozid an 27 Millionen Slawen als Ergebnis des Kriegsplans von NS-Führung und Generalität nicht vorkommen. Man erlebt einen Action- und Abenteuer-Film, bei dem alle, eine ganze Generation, zu Opfern werden. Diese Legenden wird der Historiker und ehemalige Leiter der Wehrmachtsausstellung, Hannes Heer, im Rahmen eines Seminars und anhand von Filmausschnitten darstellen und analysieren.
Termin: 27. Oktober 2016 von 13 – 17:00
Ort: Plantage 13, Eingang 26, Bremen
Anmeldung an: Heinrich Böll Stiftung Bremen, Plantage 13, 28215 Bremen
oder ruedel.boell@arcor.de








Achtung! Feindpropaganda!

Lew Kopelews Frontflugblätter 1941 – 1945
Eine Ausstellung der Heinrich Böll Stiftung Bremen, der Forschungsstelle Osteuropa Bremen und der Universität Bremen

8. Juli 2016 – 30. August 2016, Eröffnung am 7. Juli 2016 | 18 Uhr
Haus der Wissenschaft | Sandstr. 4/5

2016 jährt sich zum 75. Mal der Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion (22. Juni 1941). Zu den Waffen, mit denen sich die „Rote Arbeiter- und Bauern-Armee“ zur Wehr setzte, gehörten nicht nur schwere Geschütze und Fliegerbomben, sondern auch Worte – Flugblätter. Die Ausstellung präsentiert die Sammlung sowjetischer Flugblätter, Frontzeitungen und Plakate aus dem Archiv der Forschungsstelle Osteuropa. Entworfen und zusammengetragen hat sie Lew Kopelew (Kiew 1912 – Köln 1997), der als Kenner der deutschen Kultur ab 1941 als Propaganda-Offizier an der Front eingesetzt war, wegen „Mitleids mit dem Feind“ aber 1945 zu zehn Jahren Lager verurteilt wurde.

Nach seiner Freilassung freundete er sich mit Heinrich Böll an, setzte sich für Menschenrechte ein und wurde 1981 ausgebürgert. Die Flugblätter zeigen, welches Leid der Krieg den Menschen an der Front und in der Heimat brachte, und wie die sowjetische Propaganda versuchte, die deutschen Soldaten zum Aufgeben zu bewegen. Fast jedes Flugblatt endet mit der Aufforderung, sich in sowjetische Kriegsgefangenschaft zu begeben: „Gilt als Passierschein durch die Front“. Die Flugblätter, die jenseits der Frontlinie abgeworfen wurden und von den deutschen Soldaten mit „Feindpropaganda“ gekennzeichnet werden mussten, handeln von Siegen und Verlusten an den Fronten, von Bombenangriffen auf die Heimat, dem Leben der Kriegsgefangenen, den Gefahren des russischen Winters usw. Die sowjetische Propaganda nutzte Fotos und Feldpostbriefe und gestaltete die Flugblätter auch mit Illustrationen, wie Karikaturen und Fotomontagen.

Die Ausstellung beleuchtet schließlich, was deutsche Gefangene in der Kriegsgefangenschaft erwartete und was Kopelew selbst nach seiner Verhaftung erlebte. Sie will auf diese Weise zum Nachdenken über Krieg, Gewalt und ideologische Beeinflussung anregen.