Die HEINRICH BÖLL STIFTUNG veranstaltet regelmäßig Vorträge und Seminare zu unserer Meinung nach aktuellen und interessanten politischen und kulturellen Themen. Wenden Sie sich bitte an unserer Büro, um laufende Planungen zu erfragen oder senden Sie uns eine mail. Gerne informieren wir Sie dann über aktuelle Veranstaltungen. Sollten Sie selber Vorschläge, Anregungen oder Veranstaltungswünsche haben, können Sie uns darüber informieren. Auf unserer Was-Sie-wollen - Seite finden Sie weiter Informationen.






Achtung! Feindpropaganda!

Lew Kopelews Frontflugblätter 1941 – 1945
Eine Ausstellung der Heinrich Böll Stiftung Bremen, der Forschungsstelle Osteuropa Bremen und der Universität Bremen

8. Juli 2016 – 30. August 2016, Eröffnung am 7. Juli 2016 | 18 Uhr
Haus der Wissenschaft | Sandstr. 4/5

2016 jährt sich zum 75. Mal der Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion (22. Juni 1941). Zu den Waffen, mit denen sich die „Rote Arbeiter- und Bauern-Armee“ zur Wehr setzte, gehörten nicht nur schwere Geschütze und Fliegerbomben, sondern auch Worte – Flugblätter. Die Ausstellung präsentiert die Sammlung sowjetischer Flugblätter, Frontzeitungen und Plakate aus dem Archiv der Forschungsstelle Osteuropa. Entworfen und zusammengetragen hat sie Lew Kopelew (Kiew 1912 – Köln 1997), der als Kenner der deutschen Kultur ab 1941 als Propaganda-Offizier an der Front eingesetzt war, wegen „Mitleids mit dem Feind“ aber 1945 zu zehn Jahren Lager verurteilt wurde.

Nach seiner Freilassung freundete er sich mit Heinrich Böll an, setzte sich für Menschenrechte ein und wurde 1981 ausgebürgert. Die Flugblätter zeigen, welches Leid der Krieg den Menschen an der Front und in der Heimat brachte, und wie die sowjetische Propaganda versuchte, die deutschen Soldaten zum Aufgeben zu bewegen. Fast jedes Flugblatt endet mit der Aufforderung, sich in sowjetische Kriegsgefangenschaft zu begeben: „Gilt als Passierschein durch die Front“. Die Flugblätter, die jenseits der Frontlinie abgeworfen wurden und von den deutschen Soldaten mit „Feindpropaganda“ gekennzeichnet werden mussten, handeln von Siegen und Verlusten an den Fronten, von Bombenangriffen auf die Heimat, dem Leben der Kriegsgefangenen, den Gefahren des russischen Winters usw. Die sowjetische Propaganda nutzte Fotos und Feldpostbriefe und gestaltete die Flugblätter auch mit Illustrationen, wie Karikaturen und Fotomontagen.

Die Ausstellung beleuchtet schließlich, was deutsche Gefangene in der Kriegsgefangenschaft erwartete und was Kopelew selbst nach seiner Verhaftung erlebte. Sie will auf diese Weise zum Nachdenken über Krieg, Gewalt und ideologische Beeinflussung anregen.