Inhaltsverzeichnis

* Medien und Politik

* Stadt ist Zukunft

* Über die Zukunft des Balkans

* Nach der Wahl ist vor der Wahl

* Kunst, Politik und Psychoanalyse

* Religion und Politik

* Europa und Israel

* Markt, Staat und Gesellschaft II

* Massenkultur und Kunst - Kulturelle Globalisierung

* Markt, Staat und Gesellschaft I

* Sonntag der Bildung

* Dialog und Gewalt

* Nah am Wasser gebaut



Medien und Politik


Hier finden Sie als download den Beitrag von Tom Schimmeck "Gewaltenverwirrung" zum Symposium „Medien und Politik“
- Die Vierte Gewalt in der Krise? vom 3.11.07 in Bremen

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Stadt ist Zukunft
Im folgenden finden Sie die beiden Haupreferate unserer Tagung "Stadt ist Zukunft" vom 2. März 07 in der Bremischen Bürgerschaft

1.
Gerhard Matzig
Lob der Stadt

2.
Willfried Maier
Leitbild Kreative Stadt
Vortrag „Mehr als Handel und Hafen –Zukunft ist die kreative Stadt am Beispiel Hamburgs“


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Matzig
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Maier


Ernst Köhler „Zweitklassige Krisenzone“ Über die Zukunft des Balkan

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Köhler


Nach der Wahl ist vor der Wahl - Wer hat gewonnen?
Seit fünf Jahren gibt es das Symposium »Kunst in der Gegenwart«, das die Heinrich Böll Stiftung zusammen mit der Galerie Katrin Rabus in Bremen veranstaltet. Themen waren unter anderen Kunst und Wissenschaft, Sinn versus Oberfläche und kulturelle Globalisierung.
Die Nähe zur Bundestagswahl hat uns bewogen, das ursprüngliche Arbeitsthema »Kunst und (Gegen)Öffentlichkeit aktueller aufzunehmen.
Auf dem Symposium am 8./9. Oktober 2005 waren
die Ergebnisse der Bundestagswahlen bekannt – überraschen konnten sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Der Arbeitstitel »Nach der Wahl ist vor der Wahl? Wer hat gewonnen?« bekam nun zusätzlichen Hintersinn. Die Republik würde in den Ländern und im Bund schwarz sein wie selten seit den Sechzigerjahren, und doch wirkte plötzlich alles auch Schwarz-Rot. Gründe für die Niederlage
von Rot-Grün gab es viele, unter anderem, dass die 1998er Aufbruchstimmung sich schnell verbraucht hatte.
Während vom Atomausstieg bis zum Staatsbürgerschaftsrecht die erste Legislatur noch ihre Erfolge hatte, brachten die notwendige Reform der sozialen Sicherungssysteme und Hartz IV die rot-grüne Regierung um ihre Legitimation. Vielleicht hätten viele der kleinen Leute, denen viel abverlangt wurde, dies noch akzeptiert,
wenn sich Erfolge eingestellt hätten. Doch nirgends
außer bei den Unternehmensgewinnen und den Gehältern des Topmanagements waren sie sichtbar geworden.
Die Idee, die zu unserem ursprünglichen Thema
führte, war die Wahrnehmung neuer, unterschiedlicher Strömungen in Kunst und Gesellschaft: Menschen, denen es an Bindungswerten mangelt, ein zunehmender Überdruss am radikalen Pragmatismus, dass man ganz einfach dagegen oder Rebellion wieder »in« ist, die Abschottungstendenzen und das Sicherheitsdenken in den westlichen
Industriegesellschaften.
Gibt es eine Suche nach neuen Visionen? Nach
einem Sinn der ganzen Reformerei? Wo sind Ziele, die über ein Haushaltsjahr, über eine Legislaturperiode hinausgehen?
Das 6. Symposium war eine Mischung aus kulturpolitischer und gesellschaftspolitischer Fokussierung. Wechselseitige Reibungsflächen ergaben sich aus dem Videomitschnitt der Bremer und Weimarer Inszenierung von Friedrich Schillers »Die Verschwörung des Fiesko
zu Genua«, aus der Zusammenarbeit mit dem Filmbüro Bremen und der Vorführung der Filme »Die fetten Jahre sind vorbei« (Hans Weingartner) und »Am Tag als Bobby
Ewing starb« (Lars Jessen, Ingo Haeb), die auch die politischen Debatten des Symposiums mitprägten.
Im Folgenden dokumentieren wir den Vortrag von
Martin Altmeyer vom ersten Abend des Symposiums und die Beiträge der tags darauf folgenden Podiumsdiskussion von Ulrike Herrmann, Robert Misik, Michael Ackermann und Claudia von Braunmühl. Vortrag und Beiträge wurden jeweils von ihnen selbst gekürzt, überarbeitet oder aktualisiert.
Peter Rüdel
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Kunst, Politik und Psychoanalyse
Es gab keine fertige Idee für den Titel, den Anstoß haben einige Bezugspunkte gegeben, sowohl im Erfahrungsbereich wie auch in der zeitgenössischen und politischen, analytischen und kulturtheoretischen Literatur. Um einige davon zu nennen:

1. Das sich vielfach meldende und sich verstärkende öffentliche und intellektuelle Unbehagen an den schrumpfenden Zuspruch und Anspruch der Politik.
2. Im analytischen Bereich, die sich schon seit zwei Jahrzehnten meldenden „nouveaux maladies de l"ame“(Kristeva), mit der politischen Bedeutung von Erscheinungen, dass „diese Patienten weniger an Verdrängungen und Verboten, die sie hemmen würden, leiden, als an einem derartigen Fehlen von Schranken, dass es ihre psychischen Apparate von Grund aus beschädigt: sie bringen es kaum fertig ihre internen oder externen Konflikte zu repräsentieren. Die beschädigte Fähigkeit „die internen und externen Agressionen zu symbolisieren.
3. Parallel dazu gibt es in der nachfreudschen Psychoanalyse –wie ein berühmter Aufsatz von Andre Green schon am Anfang der 80-er Jahre gezeigt hat- eine Verschiebung des therapeutischen und theoretischen Fokus von dem „seelischen Innenraum“ zum „analytischen Zwischenraum“. (Von den Objektbeziehungen an bis zu den Winnicottschen und Bionschen Zwischenräumen der übertragungsbedingten analytischen Situation und den Unheimlichkeiten der „Gruppendynamik“.)

4. Bezugspunkt ist auch, für einige aus unserem Kreis, über die Paralelle des nicht objektivierbaren und nicht subjektivierbaren winnicottschen Übergangsraumes und des arendtschen politischen Zwischenraumes hinaus, die Bedeutung der gegenseitigen Erhellung der arendtschen „Natalität“ und des spezifisch anthropogenen „good enough“ Mutterraumes bei Winnicott.

Nun sind Beziehungen zwischen Kunst und Politik, Kunst und Psychonalyse, Politik und Psychoanalyse nicht so neu, wir glauben aber, dass die Begegnung der Felder interessant sein könnten.

Vier der dort gehaltenen Vortrage Dokumentieren wir im folgenden.


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Anita Eckstaedt "Heinrich Böll: Der Engel schwieg - Was ist geschehen""
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Caroline Neubaur "Schweigen, Stille, Reverie - Erscheinungsformen einer sakralen und psychoanalytischen Kategorie."
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Frank Stühlmeyer "Politisches Handeln jenseits der Angst - Spiel- und Übergangsräume bei D.W. Winnicott und Hannah Arendt"
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Adrienne Göhler "Verflüssigung - Wege und Umwege in die Kulturgesellschaft"


Religion und Politik
Es muss nicht der 11. September 2001 sein, um auf das Spannungsverhältnis von Kultur/Religion und Politik zu verweisen. Im Rahmen der EU-Verfassungsdebatte gibt es vehemente Interventionen der beiden großen christlichen Kirchen, die den Gottesbezug und die jüdisch-christlich Tradition Europas in die Verfassung aufgenommen sehen wollen. Die These ist, nur wer weiß, wer er ist, kann für offene, plurale und eben auch säkulare Gesellschaft eintreten.

Alle Gesellschaften leben von geistigen Ressourcen, die den Egoismus und die Gewaltbereitschaft des Menschen zivilisieren und ihn zu Mitmenschlichkeit, Respekt vor dem Nächsten, Bewahrung der Natur und der gemeinschaftlichen Ordnung ermutigen.

Nach Amerika schauend, ist der Zusammenhang von Religion und Politik für Europäer zum Teil irritierend und Teil vieler Missverständnisse. Wer hat die Rede vom „Kreuzzug“ des Präsidenten Bush nicht in Erinnerung. Die USA sind in einem sehr allgemeinen Sinne eine religiöse Gesellschaft. Es kommt nicht darauf an, welche Religion man hat, solange man überhaupt eine hat. Es gibt an die 350 Religionen, mit der Vaterlandsliebe (in den Umfragewerten einmalig in der Welt) und der Sendungsidee von Freiheit zusammen bilden sie das Selbstverständnis Amerikas: nicht erst seit 2001 oder Bush sondern bereits seit der Unabhängigkeitserklärung 1776.

Im Nahen Osten, der Heimat der Juden und des Islam stellt sich das Verhältnis von Religion und Politik ganz anders da. Eine säkulare Verfassung, wie sie Amerika und die europäischen Staaten haben, hat hier lediglich die Türkei, einen demokratischen Staat bildet lediglich Israel. Religion gilt eher als Lebensweise, natürlich auch mangels einer nationalstaatlichen Geschichte, in der die Pole ineinander gehen.

Die globale Welt konfrontiert diese unterschiedlichen Geschichten immer direkter miteinander. In diesem Projekte wollen wir erst einmal die drei Geschichten für sich befragen. Es soll untersucht werden, was jeweils Säkularisierung meint und heißt und Gefahren und Schwächen des jeweiligen Modells angeschaut werden.
Dazu:

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Michael Jäger „ Die Zeichen der Zeit und die Kirche“


Europa und Israel
In zwei Projekten beschäftigte sich die Heinrich Böll Stiftung Bremen mit dem Verhältnis Europas zu Israel.
Im Rahmen eines Workshops reflektierten Wissenschaftler der Universitäten Haifa und Bremens die scheinbar wachsende Entfremdung zwischen Europa und Israel. Im Zentrum standen Überlegungen und Analysen der Gäste aus Haifa.
In einer Abendveranstaltung diskutierten Juliane Wetzel und Matthias Küntzel Gründe für die wachsende Entfremdnung zwischen Europa und Israel.
Im folgenden dokumentieren wir die Beiträge.
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Hermann Kuhn
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Ben Artzi
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Fania Oz-Salzberger
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Yfaat Weiss
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Yitzak Shichor
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Julian Wetzel
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Matthias Küntzel
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Workshopbericht
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Motti Golani
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Golani


Markt, Staat und Gesellschaft II
Die Krisenphänomene: Krise der öffentlichen Haushalte, Krise der sozialen Sicherungssysteme, demographische Entwicklung der Gesellschaft, Globalisierung u.a.m.. Die Freiheitsversprechen sind größer geworden, die individuelle Freiheit hat zugenommen, aber auch die Zumutungen dieser Freiheit, immer mehr selber entscheiden zu müssen und die Ökonomie mit ihren Flexibilitätserfordernissen produziert neue Anforderungen an persönliche Mobilität und Freiheit.
Ein Versuch, sich den neuen Widersprüchen zu stellen, ist, sich mit organisationstheoretischem Handwerkszeug und Pragmatismus Lösungen zu basteln.
Einziger Wert scheint wirtschaftliches Effizienzdenken zu sein.
„Eine neue Kapitalismus-Kritik wäre nötig“ sagt Oskar Negt und nicht nur er verweist darauf, dass das (sozialistische) Gerechtigkeitsproblem als Gegenspieler zum (kapitalistischen) Effizienzdenken noch lange nicht gelöst ist, wenn zwar die kapitalistischen Länder immer reicher werden, in ihnen selbst aber die Kluft zwischen arm und reich immer stärker auseinandergeht und auch die Kluft zwischen den alten und neuen kapitalistischen Ländern immer größer .
Angesichts dieser Gemengelage wollen wir Blicke in die Wirklichkeit werfen und uns den neuen Realitäten und ihren häufig zuwiderlaufenden Trends (neue Freiheiten, neue Zumutungen) stellen.
1.
Die Utopie vom Leben – Weniger Arbeiten und soziale Grundsicherung mit Michael Opielka und Helmut Spitzley
In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts hatten Ideen um Mindestsicherungen (Einkommen/Rente u.a.) Konjunktur, parallel zu Forderungen nach Verkürzung der Arbeitszeit, um vorhandene Arbeit besser zu verteilen. Hier zeichnete sich ein Modell ab, das neue Wege für soziale Sicherheit, Freiheit, Autonomie und Gerechtigkeit bedeutet hätte. Wäre dieser Weg nicht aktueller denn je oder ist er angesichts etwa der Alterspyramide obsolet?
2.
Das Modell Deutschland - die blockierte Republik? mit Helmut Wiesenthal und Paul Nolte
Das Modell Deutschland (auch rheinischer Kapitalismus) und Keynes stehen für den Versuch, den Unwägbarkeiten wirtschaftlicher Entwicklungen Möglichkeiten des Ausgleichs und der Steuerung entgegenzusetzen. Kann dies in einer globalisierten Welt noch funktionieren?
3.
Ist der Kapitalismus reformierbar?
mit Brabara Dribbusch, Mariam Lau, Richard Herzinger und Sighard Neckel
Während der Merkur im letzten Jahr „Kapitalismus oder Barbarei“ titelt und den politischen Liberalismus in der Minderheit wähnt, fragt die andere Seite „was hilft noch gegen die Handreichung von neoliberaler Ideologie und postmoderner Gleichgültigkeit gegenüber dem Sozialen? Was kann Politik? Was bedeutet Gerechtigkeit?

Im folgenden finden Sie die wesentlichen Gedanken unserer Referenten dokumentiert.
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Paul Nolte "Sozialstaat und Gerechtigkeit"
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Helmut Wiesenthal "Nach der Agenda 2010"
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Helmut Spitzley "Arbeitszeitverlängerung ist kontraprokuktiv - 7 Argumente"
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Michael Opielka "Vorschlag für eine Grundeinkommensversicherung"
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Sighard Neckel "Marktgesellschaft"
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Barbara Dribbusch "Den Blick der Linken weiten"
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Mariam Lau "Kapitalismus und Freiheit"


Massenkultur und Kunst - Kulturelle Globalisierung
Max Fuchs
Kultur in Zeiten der Globalisierung


Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Massenkultur und Kunst“. 4. Bremer Symposion der Heinrich Böll Stiftung und der Galerie Katrin Rabus am 16.10.2003 in Bremen.
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Staat, Markt und Gesellschaft
Im folgenden sind die Thesen der 3 Foren dokumentiert:

Forum 1 - Professor Adalbert Evers "Zivilgesellschaftliches Engagement"
Forum 2 - Professor Paul Nolte "Gesundheitspolitik und Gerechtigkeit"
Forum 3 - Wiebke Lang "Was passiert, wenn die Gesellschaft vor der Tür bleibt? - Beispiel das Bremer Sanierungsprogramm"

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Adalbert Evers, Justus-Liebig-Universität, Gießen
Soziale Unternehmen. Ein Vorschlag, die Zukunft öffentlicher sozialer
Dienstleistungen anders zu denken.

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Adalbert Evers, Justus-Liebig-Universität, Gießen
Was Bürgergesellschaft und Engagement miteinander zu tun haben. Acht Thesen.

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Prof. Dr. Paul Nolte, International University Bremen:
Sozialer Wandel, Gerechtigkeit und Neuer Sozialstaat

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Wiebke Lang
Neuausrichtung der Sanierungspolitik: Vom Klotzen zum Kleckern




Sonntag der Bildung 30.03.03


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Konsequenzen aus PISA - Positionen des Handwerks
Schriftenreihe Baden-Württembergischer Handwerkstag – Juli 2002

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CHANCENGLEICHHEIT ODER UMGANG MIT GLEICHHEIT UND DIFFERENZ
Förderung eines jeden Menschen als Aufgabe des Bildungssystems
2. EMPFEHLUNG DER BILDUNGSKOMMISSION DER HEINRICH-BÖLL-STIFTUNG


DIALOG UND GEWALT
Mit Ihrem Vortrag Gewalt und Dialog begibt sich Christina Thürmer-Rohr direkt ins Feld aktueller politischer Kontroversen um die Legitimität von Gewalt als letztem Mittel der Politik, aber nicht nur dort.





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DIALOG UND GEWALT
Das spezifisch Böse der Gewalt ist ihre Stummheit (Hannah Arendt)



Nah am Wasser gebaut

20 Jahre Stadt am Fluss
Von alten Hafenrevieren und neuer Urbanität

Eröffnungsvortrag von Ralf Fücks
zur Tagung „Nah am Wasser gebaut“
Bremen, 28. August 2009

Der Weg über die neue Verbindungsstrasse aus der Innenstadt in den Europahafen, vorbei am renovierten Speicher 1 und den neu gebauten Port-Häusern mit ihrer prägnanten Architektur, ist für mich eine wahre Freude. Hier ist in erstaunlich kurzer Frist ein attraktives, lebendiges Stadtquartier entstanden, das ahnen lässt, wie die weitere Entwicklung der alten Hafenreviere am rechten Weserufer aussehen könnte. Hier ist etwas von der Aufbruchstimmung zu spüren, die das Projekt „Überseestadt“ mittlerweile ausgelöst hat, fast ein wenig Boomtown-Atmosphäre, die wir in Bremen so lange vermisst haben.

Die innerstädtischen Hafenreviere waren einmal die Herzkammer Bremens. Hier pulsierte das Leben, fanden Zehntausende ihren Lebensunterhalt. Damit ging es bergab, als der Stückgutverkehr von Container abgelöst wurde und die Schiffe zu groß für die beengten Hafenanlagen wurden. Ende der 80er Jahre war der Umschlag drastisch gesunken, parallel gingen die stolzen Großwerften AG Weser und Bremer Vulkan unter und hinterließen riesige Brachflächen – nicht nur städtebaulich, sondern auch im sozialen Gewebe der Stadt.

Während die ökonomische Aktivität erlahmte, waren die Hafenanlagen wie ein exterritoriales Gebiet gegen die angrenzenden Stadtteile abgeriegelt. Wenn sie sich jetzt wieder zur Stadt und ihren Bewohnern öffnen, ist das auch eine Art Rückkehr der Bremer zu einem zentralen Ort ihrer Geschichte. Es geht also nicht nur um eine ökonomische Reanimation, sondern zugleich um eine Rückbesinnung der Stadt auf ihre Wurzeln – und es geht um den Zugang der Bevölkerung zum Fluss, um die magische Beziehung zwischen Mensch und Wasser, die den Reiz dieser Reviere ausmacht.

Ich gestehe, dass die Freude über diese Entwicklung gemischt ist mit ein wenig Zorn, dass die Stadt so viele Jahre verloren hat, bis endlich die Blockaden durchbrochen werden konnten, die gegen eine Wiedereingliederung dieser traditionsreichen Flächen in den städtischen Raum organisiert wurden: Widerstände in der Handelskammer, bei einigen alteingesessenen Unternehmen und auch im Senat, der über viele Jahre in dieser Frage gespalten war.

Während andere Hafenstädte von London bis Oslo, Barcelona bis Baltimore, Hamburg bis Kopenhagen, Amsterdam bis Tel Aviv längst eine spektakuläre Erneuerung ihrer alten maritimen Reviere vorantrieben, haben wir in Bremen viel Zeit verloren – nicht nur Zeit, sondern auch öffentliche Investitionen, die für Gewerbeflächen auf der grünen Wiese vergraben wurden, während wertvolles Gelände in unmittelbarer Nachbarschaft zur Innenstadt brach lag. Statt die Kräfte von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft zu bündeln, um dieses Riesenareal für innovative Betriebe, Tourismus und Wohnen zu erschließen, haben wir uns verzettelt – und das in einer Stadt, die nicht gerade unter einem Immobilienboom und dem Andrang solventer Investoren ächzt.

Die Auseinandersetzung um die Zukunft dieses Areals tobte wenigstens 15 Jahre, von Mitte der 80er bis zum Beginn des neuen Jahrtausends. 1987 sind die Bremer Grünen zum ersten Mal mit der Parole „Mit dem Gesicht statt mit dem Arsch zur Weser“ in den Bürgerschafts-Wahlkampf gezogen – ein Bonmot, das wir dem Architekturprofessor Peter Kammerer verdankten. Es dauerte bis zum Jahr 2000, bis der Senat ein Entwicklungskonzept für die Umstrukturierung der alten Hafenreviere beschloss; noch einmal drei Jahre später folgte schließlich ein Masterplan als flexibles Rahmenwerk für eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in Europa. Es umfasst rund 300 ha, ist 3,5 km lang und 1 km breit und damit doppelt so groß wie die berühmte Hamburger Hafencity.

Bevor mit dem Umbau des Speichers XI und der Übersiedlung der Hochschule für Künste im Herbst 2003 der erste attraktive Entwicklungskern eingepflanzt wurde, kam es noch einmal zu einem veritablen Sündenfall, an dem die ganze Widersprüchlichkeit der damaligen Senatspolitik deutlich wird. Ende der 90er Jahre wurde der baufällige Überseehafen zugeschüttet. Städtebaulich attraktive Wassergrundstücke wurden zunichte gemacht und der Bremer Großmarkt (der jetzt euphemistisch „Bremer Frischezentrum“ heißt) mitten in die alten Hafenreviere verpflanzt: ein hässlicher Riesenkasten, der früh morgens jede Menge LKW-Verkehr anzieht, tagsüber wie tot daliegt und als gewerbliches Bollwerk gegen jede urbane Entwicklung in diesem Revier dienen sollte. Das war keine ökonomische, sondern ein politische Entscheidung: das letzte, teure Rückzugsgefecht der Betonfraktion um den ehemaligen Wirtschafts-Staatsrat Haller gegen die Modernisierer.

Es geht hier nicht um Parteipolitik. Die Grünen waren beileibe nicht die einzigen, die der Idee von der „Stadt am Fluss“ anhingen. In der Stadtplanung gab es eine ganze Reihe engagierter Mitarbeiter, die mit langem Atem und wechselnden Senatoren die Öffnung der alten Hafenreviere für urbane Entwicklungen betrieben. Auch meine ehemalige Kollegin Evi Lemke wagte sich als Bausenatorin Ende der 80er Jahre mit der Idee hervor, 5000 Wohnungen im Europahafenquartier zu bauen – und wurde dafür schrecklich vermöbelt. Eine wichtige Rolle spielten auch die Bremer Sektion des Bunds Deutscher Architekten und die Architektenkammer, die schon früh die städtebaulichen und architektonischen Potentiale der alten Hafenreviere erkannten. Es war eine Freude, mit ihnen zusammen zu arbeiten.

Schließlich kann man die Pionierunternehmer gar nicht genug loben, die in den letzten Jahren ein interessantes – und auch kommerziell erfolgreiches – Projekt nach dem anderen in diesem Areal auf die Beine gestellt haben, vorneweg das Bremer Immobilien¬unternehmen Justus Grosse. Die ganze Entwicklung ist ja gar nicht anders denkbar als in Form einer „Public Private Partnership“, in der öffentliche Infrastrukturinvestitionen den Weg für private Bauvorhaben bahnen.

Die Konflikte, die um diese historischen Flächen ausgetragen wurden, verliefen im Wesentlichen entlang zweier Achsen:

Erstens zwischen den Verfechtern einer strikten räumlichen Trennung von Arbeiten, Wohnen und Freizeit und den Anhängern einer Mischung dieser Funktionen. Mit anderen Worten: Gewerbliche Monokultur gegen städtische Vielfalt. So kann man noch bis in die letzten Jahre in den Stellungnahmen der Handelskammer einen hartnäckigen Widerstand gegen das Vordringen von modernen Dienstleistungen, Kultur, Gastronomie und vor allem von Wohnen in die alten Hafenreviere finden. Ihr Ziel war es, diese Flächen in alle Zukunft für transportintensives Gewerbe zu reservieren – alles andere störte aus dieser Sicht nur. Nicht zuletzt ging es dabei um die Verteidigung sagenhaft günstiger Pachten und Mieten auf innenstadtnahem Terrain, die eine derart extensive Flächennutzung erst ermöglichten. Das ganze Areal, gerade mal 2 Kilometer entfernt vom Bremer Rathaus, war geprägt von großflächiger Lagerhaltung, ohne jeden Anreiz zu höherer Flächenproduktivität.

Die Gegenposition setzte auf Vielfalt, auf einen Mix von Dienstleistungen, Restaurants, Cafés, Clubs, Galerien, kulturellen Events, Grünanlagen, Yachthafen, Hotels, Einzelhandel und Wohnungen – kurz: auf die Mischung, die ein lebendiges Stadtquartier ergeben. Dabei ging und geht es nicht darum, die wenigen noch vorhandenen Produktionsbetriebe (wie Kellogs) zu vertreiben – das Gebiet ist groß genug für eine friedliche Koexistenz mit hinreichenden Abstandsflächen.

Die zweite Konfliktachse verlief zwischen der Ausweisung immer neuer Gewerbe- und Wohnungsbauflächen am Stadtrand und dem Primat der Innenentwicklung. Plastisch gesagt: Die einen griffen nach der Hemelinger Marsch, dem Niedervieland und dem Hollerland, die anderen sahen die Zukunft in den alten Industrie- und Hafenarealen, die im Gefolge des Strukturwandels der 70er und 80er Jahre brach gefallen waren oder zumindest unter Wert genutzt wurden. Das ist nicht nur eine Frage von Natur- und Landschaftsschutz. Dahinter stehen auch unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft der Stadt. Inzwischen ist klar, dass Bremen angesichts stagnierender Bevölkerungszahlen und knapper öffentlicher Mittel vor allem nach Innen wachsen muss – und dass damit die Stadt auch an Attraktivität gewinnt, für ihre Bewohner wie für Touristen.

Wenn man nach den Weichenstellungen schaut, die zur Wiederbelebung der alten Hafenreviere geführt haben, kommt man an der viel gescholtenen „Ampel-Koalition“ nicht vorbei. In diesen Jahren zwischen 1991 und 1995 wurde vieles gesät, was heute Früchte trägt – etwa der Ausbau der Schlachte zur beliebtesten Bremer Flaniermeile. Wir entwickelten erste Planungen für das Gebiet zwischen Weserbahnhof und AG Weser und organisierten einen städtebaulichen Workshop. Ich bewundere noch heute eine Arbeit des Bremer Architekten Harm Haslob, der einen Durchstich des Europahafens zur Weser vorschlug, also die Schaffung einer Weserinsel, die durch Brücken mit dem Ufer verbunden sein sollte. In diese Jahre fielen auch erste Gespräche mit Eduscho über eine Öffnung für neue Nutzungen, damals noch fast ein Tabubruch. Auch die Anbindung des Gebiets an die Innenstadt und den Bremer Westen durch eine Straßenbahnlinie geht auf diese Zeit zurück. Und wir wären sicher schneller damit vorangekommen ohne den ständigen Kleinkrieg mit der Hafenlobby und dem Wirtschaftsressort, die sich mit Händen und Füßen gegen eine Entwicklung wehrten, die anderswo bereits in vollem Gang war.

Ein paar Jahre zuvor, hatte Klaus Wedemeier bei seiner Regierungserklärung nach der Bürgerschaftswahl 1987 die Parole „Mut zur Zukunft“ ausgegeben. Ich erwiderte mit einer Rede, die ein Zukunftsszenario für Bremen im Jahr 1999 entwarf; eine Reise entlang der Weser von Hemelingen bis Blumenthal. Darin gab es eine große Freilichtbühne auf dem Teerhof, städtisches Wohnen und ein Gründerzentrum für alternative Energien im Europahafen, Filmstudios auf dem AG Weser-Gelände und einen innerstädtischen Schiffspendelverkehr auf der Weser. Wedemeier, den ich später zu Zeiten der Bremer Ampelkoalition schätzen lernte, unterbrach mich mit dem Zwischenruf „Das ist eine Rede gegen Bremen“, und Bürgerschaftspräsident Klink überlegte, ob er mir das Wort entziehen sollte.

Inzwischen ist viel Wasser die Weser hinuntergeflossen; es gibt wieder eine direkte Anbindung der Hafenreviere mit Innenstadt und dem Bremer Westen; Großveranstaltungen wie der Kirchentag haben Zehntausende in das Areal gezogen und den Blick für seine Möglichkeiten geöffnet; am Eingang zum Überseequartier entsteht das höchste Bürogebäude Bremens; die Lofts am Europahafen sind ausgebucht; neue Firmen siedeln sich an; erste Wohnprojekte sind im Gang; Restaurants und Ausstellungen beleben das Quartier. Diese Rückwendung Bremens an die Weser war keine Erfindung einer kleinen Schar von Enthusiasten. Vielmehr handelt es sich um einen großen, international wirksamen Trend, der mit einiger Verspätung auch in Bremen ankam. Der Fairness halber muss man erwähnen, dass Bremerhaven diese Entwicklung frühzeitig und mit Erfolg betrieben hat – der Fischereihafen und die spektakuläre neue Wesermeile mit dem Deutschen Auswanderermuseum und dem Klimahaus geben davon Zeugnis.

Hinter diesem urbanen Trend zum Wasser steckt die Krise der alten maritimen Strukturen, die gewachsene Bedeutung städtischer Dienstleistungen und des Städtetourismus, die Wiederentdeckung urbaner Vielfalt und der Reiz einer Mischung aus Tradition und Moderne. Nicht zu vergessen die Lust an der Inbesitznahme historischer Stadträume und Gebäude durch Menschen, die aus dem Alten etwas Neues machen wollen: Architekten, Unternehmer, Künstler, Projektemacher. Davon kann es gerade in einer wirtschaftlich gebeutelten Stadt wie Bremen nicht genug geben.

Noch eine Bemerkung zum Schluss: „Stadt am Fluß“ bedeutet mehr als die Wiederentdeckung der alten Reviere zwischen Innenstadt und Gröpelingen. Dazu gehören Uferpromenaden wie die Schlachte und der Osterdeich, das Teerhofareal, die Kultur- und Theatermeile zwischen Ostertor und Neustadt, das Gelände um das alte Wasserwerk am linken Weserufer, das neue Weserkraftwerk, Windenergiefirmen auf dem Vulkan-Gelände und eine Aufwertung der Hafenareale in Bremen Nord. Schöne Aussichten für Bremen – und lohnende Herausforderungen für Planer, Politik und Investoren.