Basisnahe Umweltgerechtigkeit – ein Beispiel aus Israel

Basisnahe Umweltgerechtigkeit – ein Beispiel aus Israel

Projekte

Jede und jeder muss für seinen Müll Verantwortung übernehmen, findet Amiad Lapidot, Begründer der NGO Eretz Carmel in Israel. Vor einigen Jahren startete er deshalb das Kompostierungsprojekt, um den Bewohner/innen Recycling näher zu bringen und damit Abfall zu reduzieren.

Zwar genießt Israel durch sein starkes Wirtschaftswachstum einen hohen Lebensstandard, gleichzeitig aber ist die sozioökonomische Kluft größer geworden. Dies schlägt sich nieder in der wachsende Sorge um Umweltgerechtigkeit, denn wirtschaftliches Gefälle und Entrechtung führen dazu, dass die Betroffenen nur schlechten Zugang zu natürlichen Ressourcen haben und sie stark den Folgen von Umweltverschmutzung und den damit einhergehenden Gefahren ausgesetzt sind.

Zwei Gruppen besonders betroffen

Besonders hiervon betroffen sind zwei Gruppen, nämlich die arabischen Bürgerinnen und Bürger Israels sowie die Charedim (ultraorthodoxe Juden). Dort, wo diese Gruppen leben, häufen sich die Gefahren, denn Müllabfuhr und Abfallaufbereitung sind unzureichend und es gibt illegale Müllkippen, wodurch Luft und Grundwasser verschmutzt werden. Dennoch spielen diese beiden Gruppen bei Maßnahmen zum Schutz der Umwelt bislang kaum eine Rolle.

In den arabischen und ultraorthodoxen Gemeinden gab es bislang wenig Engagement für die Umwelt. Nun aber versucht ein Umweltaktivist dies zu ändern. Amiad Lapidot gründete die gemeinnützige Organisation Eretz Carmen und als deren Direktor und treibende Kraft entwickelt er Ansätze, die nachhaltiges Wirtschaftswachstum fördern. Daneben arbeitet er auch mit Adam Teva V’din, einer Umweltorganisation, die als Teil ihrer Lobbyarbeit zuletzt mehrere Umweltverordnungen entwarf, welche von der Regierung Israels dann umgesetzt wurden.

Mit Würmern gegen Müll

Seit Beginn der 2000er Jahre hat Lapidot sich dafür eingesetzt, dass organischer Müll kompostiert wird – und zwar mit Hilfe roter Kompostwürmer. Alles begann in seinem Heimatort, dem Dorf Kerem Maharal, mit nur zwölf Familien. „In meinem Dorf‟, so Lapidot, „wollte ich ein Modell auf die Beine stellen, das zeigt, wie die Menschen selbstverantwortlich mit jenem Müll umgehen können, den sie produzieren. Ich bin also im Dorf von Haus zu Haus gegangen, habe an die Türen geklopft und den Leuten das erklärt, was ich gerade Ihnen erkläre. Alle Beteiligten haben von mir eine Mülltonne bekommen, auf der außen steht, was in sie hineinkommt und was nicht. In jede Straße kam eine Tonne, und die Leute haben damit begonnen, ihren Müll zu trennen.‟ Den recycelten Müll bekommen die Beteiligten dann nach einigen Monaten zurück, entweder als Kompost oder in Form von Obst und Gemüse. Durch dieses Projekt haben die beteiligten Dörfer außerdem Geld gespart, denn Müllabfuhr und Entsorgung sind teuer.

Innerhalb von nur einem Jahr, so Lapidot, trennten alle in der Gemeinde ihren Müll. „Nach einem Jahr kamen zwei weitere Ortschaften hinzu, und im Jahr darauf noch einmal sieben. Nur ein weiteres Jahr später waren wir bereits an über 60 Orten in Israel aktiv, und die Haushalte dort kümmern sich selbst um den Müll, den sie erzeugen, und dieser Müll geht dann nicht auf die Deponie, sondern er wird recycelt.‟

Nachdem das Projekt so weit gediehen war, wurde Lapidot vom damaligen Umweltminister Gilad Erdan zu einem Treffen eingeladen, auf dem der Beschluss fiel, in Zukunft die Mülltrennung beim Erzeuger zu einem Kernpunkt staatlicher Umweltschutzpolitik zu machen. Obwohl es auf diesem Weg möglich gewesen wäre, unter Einbeziehung von 250.000 Haushalten in Israel viel zu bewegen, hat sich die Regierung in der Zwischenzeit von diesem Ansatz jedoch wieder verabschiedet.

Dieser Rückschlag führte einerseits zwar dazu, dass er diese nicht auf weitere Gebiete ausdehnen konnte, andererseits regte es ihn dazu an, sich bei seinen Anstrengungen auf bestimmte Gruppen zu konzentrieren. Lapidots Organisation Eretz Carmel bietet Kurse an über Gartenbau und Kompostieren, in welchen die Teilnehmenden lernen, wie sie Naturgüter wie organische Abfälle, Regenwasser und nachnutzbares Material besser verwenden, oder wie sie es kompostieren können. Diejenigen, die einen solchen Kurs belegen, lernen außerdem, wie sie ihr neuerworbenes Wissen in den eigenen Gemeinden verbreiten können.

Auch Kinder werden einbezogen

Amiad Lapidot hat sich sehr bemüht, gute Beziehungen sowohl zu orthodoxen Juden wie auch zu den arabischen Israelis aufzubauen und ihnen bewusst zu machen, wie wichtig es ist, Müll zu trennen und wiederzuverwenden. Er hat sich auch darum bemüht, gerade Kindern ein Verständnis nahezubringen von nachhaltiger Landwirtschaft und davon, wie sich natürliche Ressourcen nachhaltig nutzen lassen.

Unterrichtet man die Kinder in diesen Gemeinden, so Lapidot, ist das nicht nur ein guter Ansatz, um in Zukunft in Israel ein wirksames Abfallmanagement und nachhaltige Landwirtschaft innerhalb dieser so unterschiedlichen Gemeinden zu erreichen, sondern es führt auch dazu, dass Gemeinden überall im Land beginnen, darüber nachzudenken, was nachhaltige Entwicklung bedeutet und welchen Einfluss diese auf ihren Alltag hat.


Dieser Beitrag ist Teil unseres Dossiers "Clean it up! Müll in Nahost und Nordafrika".

Aus dem Englischen übersetzt von Bernd Herrmann

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