Fünf Thesen zur US-Wahl: Was sich nach den Midterms ändern wird

Fünf Thesen zur US-Wahl: Was sich nach den Midterms ändern wird

Analyse

Wir haben mit drei Wahlexpert/innen gesprochen – Dr. David Barker von der American University, Dr. Danny Hayes von der George Washington University und Dr. Candice Nelson von der American University – und sie gefragt, was wir ihrer Ansicht nach im November zu erwarten haben.

Voting booths in the U.S. – Urheber/in: Penn State. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

1. Die Demokraten werden das Repräsentantenhaus gewinnen

Laut Barker und Nelson ist zu erwarten, dass die Demokraten eine Mehrheit im Repräsentantenhaus gewinnen. Barker merkt an: „In den vergangenen hundert Jahren hat die Partei des amtierenden Präsidenten in den Zwischenwahlen nach dessen Amtsantritt immer durchschnittlich 30 bis 40 Sitze im Repräsentantenhaus verloren.“ Da die Demokraten nur 25 Sitze brauchen, um die Mehrheitsverhältnisse umzukehren, ist es wahrscheinlich, dass ihnen das gelingt. Alle drei Experten waren sich jedoch nicht sicher, ob die Demokraten auch die Kontrolle über den Senat übernehmen könnten.

2. Der politische Widerstand wird die Muskeln spielen lassen

Der Sieg Trumps im Jahr 2016 führte zu einer Welle des Engagements auf Seite der Demokraten. Diese Energie wird wahrscheinlich auch an den Wahlurnen zu spüren sein, vor allem bei Gruppen, die normalerweise eher nicht wählen, wie etwa junge Menschen und Hispanics. „Ich glaube, am interessantesten wird, was Republikanische Frauen aus den Vorstädten machen“, sagt Nelson. Denn diese Gruppierung ist Umfragen zufolge noch unentschlossen, was sie von Trump halten soll. Da die Zwischenwahlen als „Volksabstimmung über den amtierenden Präsidenten gelten“, wie Hayes sagt, wird das Ergebnis eine Art Pulsfühlung sein, wie die Öffentlichkeit zu Trump steht.

3. Mehr Frauen als je zuvor in der US-Politik

Bei den Zwischenwahlen 2018 stellen sich so viele weibliche Kandidatinnen auf wie nie zuvor - und zwar überwiegend Demokratinnen. Besonders nach dem eklatanten Sexismus der letzten Präsidentschaftswahl fragen jedoch einige Kritiker, ob der Zuwachs an weiblichen Kandidatinnen die Chancen auf einen Demokratischen Sieg schwächen könnte. Doch Hayes, dessen Forschungsschwerpunkt Frauen in der Politik ist, ist anderer Meinung. „Frauen haben bei Wahlen genau die gleiche Gewinnquote wie Männer; sie kandidieren nur weitaus weniger oft“, bemerkt er. „2018 wird man die spezifischen Auswirkungen all dieser weiblichen Kandidaturen noch gar nicht spüren. Das wird sich Jahre später bemerkbar machen, wenn nämlich das politische Erbe dieser Welle an Kandidatinnen dazu führt, dass mehr Frauen Politik als ein Feld sehen, wo sie sich engagieren können.“

4. Demokraten legen ihren Zwist vorerst bei, um sich gegen Trump zu positionieren

In der Demokratischen Partei klafft eine tiefe Kluft zwischen dem, was Nelson als „den älteren, konservativeren Flügel“ bezeichnet und „dem jüngeren, progressiveren Flügel um Bernie Sanders“. Diese Spannungen werden jedoch in den Zwischenwahlen keine größere Rolle spielen, wenn sich die Demokraten gemeinsam gegen den Präsidenten stellen. „Die Brüche in der Partei sind wesentlich unbedeutender als die Abneigung gegen Trump“, so Barker.

5. Die Zwischenzahlen sind wichtig, doch muss man 2020 im Blick behalten

Die nächste Präsidentschaftswahl wird eine der wichtigsten in der Geschichte sein. Das sagt nicht Barack Obama. Beide Parteien werden ihre internen Spaltungen überwinden und ihre künftige Herangehensweise festlegen müssen. Und die Wahl wird auch zum Prüfstein für Trumps eigenwilligen Regierungsstil. Barker erklärt: „2020 wird der Moment sein, an dem der ‚Trumpismus‘ entweder bestätigt oder abgelehnt wird. Mit Trumpismus meine ich den allgemeinen Stil seiner Präsidentschaft: Diese generelle Vorstellung, dass man ohne jegliche politische Erfahrung Präsident werden kann; die Art, wie er über seine Gegner spricht; der krasse Ton; die Häufung von Skandalen… Falls Trump wiedergewählt wird, können wir erwarten, dass beide politische Parteien sich künftig so gebaren werden.“

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